Gestern stand ich in der Küche, um für die Family ein Hühnercurry zuzubereiten. Während das Garam Masala vor sich hindüftelt und der Abzug den Geruch vom geröstetem Fleisch kaum weglüften kann, schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: Eigentlich unterscheidet sich das, was ich hier gerade im Topf mache, kaum von meinem Alltag als Competency Lead IT.
Beide Disziplinen erfordern dieselbe Balance aus Handwerk, Vorbereitung, Geduld und der richtigen Temperaturkontrolle. Wer versucht, ein komplexes Curry in zwanzig Minuten auf höchster Flamme durchzudrücken, erntet zähes Fleisch und angebrannte Gewürze. In der IT-Landschaft ist das exakt dasselbe.
Ich beginne immer damit, das Hühnerfleisch scharf anzurösten. Hier entstehen die Röstaromen – die Maillard-Reaktion –, die dem gesamten Gericht Tiefe verleihen.
In der IT ist das der Aufbau robuster Core Infrastrukturen und klarer Architekturen. Ob Netzwerksegmentierung, Identitätsmanagement oder solide Plattform-Basics: Man braucht ein klares, belastbares Fundament. Wer diesen ersten Schritt überspringt oder halbherzig angeht, dem fehlt später die strukturelle Basis, auf der alles andere aufbaut.
Nach dem Anrösten geht es an die Marinade. Joghurt, reichhaltige Kokoscreme, erdiger Cumin, komplexe Curryblätter, Garam Masala, dazu die Säure von Zitronen und Limetten. Auf den ersten Blick prallen hier gegensätzliche Welten aufeinander – milchige Milde, intensive Gewürze, scharfe Säure. Doch wenn man dem Ganzen eine Stunde Zeit gibt, verbindet sich alles zu einer harmonischen Einheit.
Ein IT Team funktioniert nach genau demselben Prinzip. Man führt keine homogene Masse, sondern Spezialisten mit völlig unterschiedlichen Stärken und Perspektiven: Infrastruktur-Engineers, Software-Architekten, Security-Analysten und Service-Manager. Die Aufgabe als Führungskraft besteht darin, diesen unterschiedlichen Charakteren Raum und Zeit zu geben, sich einzuspielen. Integration lässt sich nicht erzwingen; sie braucht eine gemeinsame Ausrichtung, damit aus Einzelleistungen ein geschlossenes Ganzes wird.
Wenn alles im Topf ist, folgt der entscheidende Schritt – Das Curry köchelt bei niedriger Hitze rund drei Stunden vor sich hin. Kein ständiges Herumrühren im Sekundentakt, kein hektisches Nachwürzen alle fünf Minuten. Es braucht konstante, kontrollierte Wärme, damit die Sauce langsam eindickt, das Fleisch butterzart wird und die Aromen verschmelzen.
In der IT-Transformation scheitern Projekte selten an fehlender Technologie, sondern an Aktionismus. Nachhaltige Veränderungen – sei es die Etablierung moderner Betriebsmodelle, Automatisierungsinitiativen oder kultureller Wandel – brauchen Reifezeit. Wer täglich die Prioritäten ändert und die Flamme hochdreht, erzeugt Burnout und technische Schulden. Als Competency Lead IT muss man die Rahmenbedingungen stabil halten und dem Team den Freiraum geben, Initiativen sauber zu Ende zu bringen. Reduktion bedeutet hier, Komplexität abbauen, bis nur noch das Wesentliche und Tragfähige übrig bleibt.
Stabilität, die trägt
Nach drei Stunden steht kein loses Konglomerat aus Einzelzutaten auf dem Tisch, sondern ein dichtes, harmonisches Gericht, das alle am Tisch begeistert und satt macht.
Genau das ist der Auftrag in der IT – Am Ende soll kein fragiles Konstrukt aus Workarounds entstehen, sondern ein stabiler, performanter und zuverlässiger Betrieb, der dem Business echten Mehrwert liefert. Wenn die Services geräuschlos laufen, Teams eigenverantwortlich agieren und die Systeme skalieren, war die Vorbereitung und die Geduld jede Minute wert.
Gute IT entsteht nicht durch Hektik am Herd, sondern durch Gespür für die richtigen Zutaten, ein stabiles Fundament und den Mut, Dingen die Zeit zu geben, die sie brauchen.
