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Warum der IT-Betrieb keine Softwareentwicklung ist

Posted on 24. Jänner 202624. Jänner 2026 by Milen Mitulovic

In den letzten Jahren ist ein Dogma durch die IT-Abteilungen gezogen: Alles soll agil sein, alles soll in Stream-aligned Teams organisiert werden, und die Trennung zwischen Entwicklung und Betrieb soll am besten physisch durch die Auflösung zentraler Betriebseinheiten aufgehoben werden. Doch was in der Theorie nach Fast Flow klingt, entpuppt sich im klassischen IT-Betrieb sehr rasch und sehr oft als strategische Sackgasse.

Es ist Zeit für eine realistische Bestandsaufnahme: Der IT-Betrieb folgt einer anderen Logik als die Softwareentwicklung. Ihn wie ein reines Softwareprodukt zu behandeln, ist nicht nur ineffizient, sondern kann im Falle eines geplanten Outsourcings fatal sein.

Die unterschiedliche DNA – Deterministik vs. Kreativität

Softwareentwicklung ist ein kreativer, iterativer Prozess. Er lebt von der Veränderung. Der IT-Betrieb hingegen – besonders wenn es um kritische Infrastrukturen geht – ist industriell geprägt. Hier zählen Deterministik, Stabilität und Vorhersehbarkeit.

Während ein Entwicklerteam in Sprints denkt und Fehler als Lernkurve akzeptiert, ist die Metrik des Betriebs die MTBF (=Mean Time Between Failures). Ein instabiler Betrieb lässt sich nicht agil weg-sprinten. Er benötigt klare Hierarchien in der Störungsbewältigung, standardisierte Change-Prozesse und eine rigide Einhaltung von Compliance-Vorgaben.

Die Outsourcing-Falle – Integration vs. Modularität

Ein massiver Trend ist die vollständige Integration des Betriebs in Service- oder Produktteams. Das Ziel lautet „You build it, you run it.“ Doch hier lauert eine strategische Gefahr. Wenn der Betrieb tief in die einzelnen Service-Teams eingewebt wird, entsteht eine organisatorische Amalgamierung.

Sollte das Unternehmen später entscheiden, Teile des Basis-Betriebs (z. B. Infrastructure Management, Cloud-Operations oder 1st Level Support) an einen spezialisierten Provider auszulagern, steht es vor einem Trümmerhaufen. Eine Entflechtung dieser integrierten Strukturen ist oft kaum möglich oder mit astronomischen Kosten verbunden. Der IT-Betrieb muss daher als modulare Einheit gedacht werden. Er braucht eine klare Grenze zur Außenwelt.

Industrialisierung durch Messbarkeit – KPIs für den Markttest

Ein Betrieb, der unsichtbar in Service-Teams mitläuft, entzieht sich der kaufmännischen und qualitativen Bewertung. Um einen IT-Betrieb auf ein Niveau zu heben, das ihn vergleichbar und damit outsourcing-fähig macht, müssen harte Kennzahlen her, die über die reine Verfügbarkeit hinausgehen:

  • Service Level Agreements: Wie hoch ist der Prozentsatz der Services, die innerhalb der vereinbarten Parameter geliefert werden?
  • Unit Costs: Was kostet der Betrieb einer einzelnen Instanz, eines Users oder eines Datenbank-Services? Nur wer seine Stückkosten kennt, kann Angebote externer Provider seriös bewerten.
  • Mean Time to Repair (=MTTR): Wie schnell wird die Stabilität nach einem Ausfall wiederhergestellt?
  • Change Success Rate: Welcher Anteil der geplanten Änderungen im Betrieb führt nicht zu ungeplanten Ausfällen?

Ohne diese Daten bleibt der Betrieb eine Black Box, die man niemals sicher an einen Dritten übergeben könnte.

Standardisierte Schnittstellen

Damit ein IT-Betrieb skalierbar, steuerbar und eben auch outsourcing-fähig bleibt, muss er um sich herum eine Membran aus standardisierten Schnittstellen bauen. Das bedeutet:

  • Service-Katalog statt Zuruf: Leistungen des Betriebs werden als definierte Produkte konsumiert.
  • Klare Übergabepunkte: Was muss eine Entwicklung liefern (Dokumentation, Monitoring-Hooks), damit der Betrieb die Verantwortung übernimmt?
  • ITIL 4: Frameworks bieten hier die notwendige Struktur, um Praktiken so zu standardisieren, dass sie unabhängig von der Person funktionieren, die sie gerade ausführt.

Schutz der Handlungsfähigkeit

Ein IT-Betrieb, der sich in Service-Teams auflöst, verliert seine Identität und das Unternehmen seine strategische Manövriermasse. Ein professioneller IT-Betrieb muss wie ein eigenständiges Werk funktionieren: mit klaren Inputs, definierten Outputs und einer harten Kante zur Umgebung.

Nur eine entkoppelte, standardisierte Organisation erlaubt es der Geschäftsführung, morgen zu entscheiden, ob sie den Betrieb selbst leistet oder ihn als Managed Service einkauft. Professionalität im Betrieb bedeutet, sich nicht unentwirrbar zu machen, sondern durch Exzellenz und klare Schnittstellen zu glänzen.

Category: Allgemein

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