Manchmal liefert die Führungsebene eine Analyse, die einen kurz innehalten lässt: Die tiefgreifenden Differenzen zwischen einer modernen, prozessorientierten Arbeitsweise (ITIL 4, Architektur, Analyse) und einer archaischen, informellen Machtstruktur werden plötzlich zur transformativen Achse des Unternehmens erklärt.
Man soll sich also zusammenraufen, denn in dieser Reibung liege die Kraft für den Wandel. Was aber, wenn diese Reibung kein produktives Feuer erzeugt, sondern nur die beteiligten Personen verschleißt? Wie überwindet man eine solche Situation, ohne auszubrennen?
Die Strategie: Sachlichkeit als Schutzwall
Wenn die Geschäftsführung fordert, dass diese Achse funktionieren muss, ist die einzige nachhaltige Strategie die radikale Professionalisierung. Das bedeutet:
- Entpersonalisierung: cholerische Kollegen sind keine persönlichen Feinde, sondern Hindernisse im Prozess. Jede Interaktion muss so geführt werden, als säße man vor einem kritischen Audit.
- Sichtbarkeit statt Vertrauen: Wenn Vertrauen aufgrund von Intrigen nicht möglich ist, muss Transparenz treten. Ergebnisse, Fortschritte und Absprachen müssen so dokumentiert werden, dass das Upper Management gar nicht anders kann, als die Fakten anzuerkennen.
- Abgrenzung bei Grenzüberschreitung: Cholerik ist kein Führungsstil, sondern ein Verhaltensdefizit. Die Strategie muss sein: Ich stehe für eine konstruktive Zusammenarbeit bereit, sobald wir wieder auf einer rationalen Ebene kommunizieren können.
Das spezifische Coaching: Resilienz im Haifischbecken
In einer solchen Konstellation ist kein Kuschel-Coaching gefragt, sondern ein strategisches Sparring. Ein hilfreiches Coaching sollte folgende Schwerpunkte setzen:
- Systemisches Coaching: Um die Rollenverteilung im Unternehmen zu verstehen. Warum lässt das Upper Management das zu? Welchen Nutzen zieht es daraus, den Konflikt nicht zu lösen?
- Emotionsregulation & Abgrenzung: Techniken, um den Stress der Meetings nicht mit nach Hause zu nehmen. Wie schaffe ich es, dass der hochrote Kopf des Gegenübers bei mir keine körperliche Stressreaktion mehr auslöst?
- Politisches Agieren: Wie platziere ich meine Erfolge (und die meines Teams) so beim CEO, dass die Intrigen der Achse wirkungslos verpuffen?
Stressmanagement: Die eigene Energiequelle schützen
Wenn das Umfeld toxisch ist, wird die Energieverwaltung überlebenswichtig. Der Stress entsteht oft durch das Gefühl der Ohnmacht. Meine Strategie dagegen: Selbstwirksamkeit stärken. Ich konzentriere mich auf das, was ich kontrollieren kann: die Performance meines Teams, die Qualität meiner Architektur-Blueprints und meine eigene Integrität. Der Stress sinkt in dem Moment, in dem ich akzeptiere, dass ich Kollegen nicht ändern kann – aber ich kann entscheiden, wie viel Raum ich ihren Ausbrüchen in meinem Kopf einräume.
Die Achse ist kein Schicksal, sondern eine Aufgabe
Wenn das Upper Management diese Achse als transformativ betrachtet, dann nehme ich es beim Wort. Transformation bedeutet Veränderung. Und Veränderung bedeutet in diesem Fall: Wir bewegen uns weg von der Willkür hin zum Standard.
Ich werde die Achse bedienen, aber zu meinen Bedingungen – auf Basis von Daten, Fakten und professionellem Anstand. Wenn das die Kraft ist, die das Unternehmen transformiert, dann wird es am Ende eine Organisation sein, die auf Professionalität fusst, nicht auf Gebrüll.
