Es ist ein bizarres Bild: Hinter der Fassade aus Hochverfügbarkeit und kritischer Infrastruktur verbirgt so manches Unternehmen sehr oft ein toxisches Biotop aus Intrigen, internen Affären und einer Kultur der gezielten Meuchelei.
Insbesondere in jenen Betrieben, die keiner harten Marktlogik unterworfen sind, mutiert die Energie, die eigentlich in die Innovation fließen sollte, oft zu einer Waffe für interne Territorialkämpfe.
Frameworks als Camouflage: Der Missbrauch von Team Topologies
Ein besonders impertinentes Phänomen ist die Nutzung moderner Management-Theorien als Deckmantel für archaische Machtspiele. Aktuell beliebt: Team Topologies. Eigentlich ein kluges Konzept, um den Flow in der Softwareentwicklung zu optimieren, wird es hier zum Vorwand für „organisatorisches Cannibalismus“ umgedeutet.
Wenn ein Akteur, der seit mehreren Jahren (eine lange Zugehörigkeit ist kein Einzelfall in oben erwähnten Unternehmen) keine sauberen Strukturen in seinem eigenen Bereich vorweisen kann, plötzlich die Auflösung erfolgreicher Teams fordert, um sie in „Service-Strukturen“ einzugliedern, geht es nicht um Fast Flow. Es geht um Macht. Die Methodik dient nur noch als rhetorische Nebelkerze, um vor der Führungsebene eine fachliche Notwendigkeit vorzugaukeln, wo in Wahrheit nur Gier nach Einfluss herrscht.
Die Psychologie des hochroten Kopfes: Cholerik als Offenbarungseid
Viele kennen diesen Moment in Meetings: Die sachlichen Argumente gehen aus, die Maske der Professionalität rutscht weg, und das Gegenüber quittiert den Kontrollverlust mit einem hochroten Kopf und Gebrüll.
Psychologisch betrachtet ist Cholerik in einem professionellen Umfeld ein Offenbarungseid. Wer laut wird, versucht die fehlende Tiefe seiner Argumente durch Volumen zu ersetzen. Es ist die pure Angst des „Old Boys Network“ vor der Sachlichkeit. Wenn die Realität (ein performantes, gecoachtes Team) nicht mehr zum eigenen Narrativ (Chaos, das man „retten“ muss) passt, kollabiert das rationale Selbst. In solchen Momenten ist die einzige professionelle Reaktion der Entzug der Aufmerksamkeit: Wer den Boden der Rationalität verlässt, disqualifiziert sich als Gesprächspartner.
Das gefährliche Vakuum der Qualität
In Organisationen, die von internen Affären und Seilschaften zerfressen sind, findet eine schleichende Negativauslese statt. Qualität wird zweitrangig, solange die Loyalität zum informellen Machtzentrum stimmt. Das ist bei kritischer Infrastruktur besonders gefährlich.
Wenn Versuche, Standards wie ITIL 4, saubere Architektur oder präzise Business Analyse einzuführen, als Bedrohung wahrgenommen werden, dann deshalb, weil diese Methoden eines bringen: Transparenz. Und Transparenz ist das grellste Licht für jene, die sich seit Jahren in der Intransparenz gemütlich eingerichtet haben.
Die „Vertrauens“-Falle in toxischen Systemen
Häufig bekommt man von der Seitenlinie den Rat: „Du musst sein/ihr Vertrauen gewinnen.“ In einem gesunden Unternehmen wäre das ein logischer Schritt. In einem intriganten System ist es eine Falle. „Vertrauen“ bedeutet hier oft die Kapitulation vor der Ineffizienz. Wer die „Hose bereits unten hatte“ und beim Intrigieren erwischt wurde, dessen Vertrauen gewinnt man nicht durch Sacharbeit, sondern nur durch Komplizenschaft.
Wer jedoch sein Team schützt, sie zu Höchstleistungen coacht und das Business unter Kontrolle bringt, schafft Fakten, die sich nicht wegschreien lassen. Die Anschwärzerei beim Upper Management ist dann nur noch das letzte Mittel eines Akteurs, der merkt, dass seine „Hose“ nicht mehr hochgezogen werden kann.
Resilienz durch Exzellenz
Der Kampf gegen eingestaubte, verschwenderische und ineffiziente Strukturen ist ein Marathon. Er erfordert nicht nur fachliche Tiefe in der Architektur und Analyse, sondern eine fast stoische Ruhe gegenüber den cholerischen Ausbrüchen des alten Systems.
Am Ende entscheidet die Qualität des Services. Wer kritische Infrastruktur betreibt, schuldet es dem Bürger, professionelle Standards über interne Befindlichkeiten zu stellen. Wer stattdessen Intrigen spinnt, gefährdet am Ende genau das, was er zu schützen vorgibt.
